Lassen wir Schwester Elvira
selber erzählen:
"Etwas
in meinem Inneren trieb mich unaufhörlich, mich den Armen
unserer
Zeit zu widmen, insbesondere den jungen Abhängigen,
denn
sie haben keine Sicherheit, keine Familie, kein
Selbstwertgefühl.
Sie sind Ausgestoßene und deshalb misstrauisch gegen alle. Da
mich diese Frage gänzlich in Anspruch nahm, begann ich von
meinen
Oberinnen die Bewilligung zu erbitten, mich den Armen widmen zu
dürfen. Meine Bitte wurde in sechs Jahren elf Mal abgewiesen,
weil
meine Oberinnen fanden, dass ich nicht genügend
Gründe
für diesen Dienst habe. Ich habe jedoch geduldig gewartet und
war
überzeugt, dass ich die Bewilligung bekommen würde,
wenn es
der Wille Gottes ist. Und 1983
bekam ich sie dann endlich. Gleichzeitig wurde mir erlaubt, das erste Haus in Saluzzo,
in der Nähe von Turin, zu eröffnen."
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Über Ihre Arbeit sagt
Schwester Elvira:
"Ich
bin jeden Tag glücklicher zu leben, geboren zu sein. Und noch
zufriedener bin
ich, weil der Herr mich in den Umstand versetzt hat, daß ich
mich nicht mehr um
mich selbst sorgen kann. In meinem Leben habe ich nie viel Zeit gehabt,
um an
mich zu denken, wie es mir ging, ob ich glücklich oder
traurig, gut oder
schlecht war. Ich habe immer auf andere achten müssen. Mir
wurde bewußt, daß
sie es waren, die mich als Mensch, als Christ und als Ordensfrau weiter
gebracht haben. Schon seit vielen Jahren bin ich glücklich
verheiratet – mit
dem Sohn des Zimmermanns aus Nazareth. Auch Er war Schreiner, und jeden
Tag
entdecke ich aufs Neue, daß Dienen Herrschen bedeutet, indem
ich mit Ihm gehe
in einem fortwährend erneuerten Leben und einer stets neuen
Freude.
Es gibt kein
„Reich“, das faszinierender wäre,
größer, erstaunlicher, reicher als das Herz
des Menschen.
Dem
väterlichen Herzen Gottes zu Diensten sein, indem man Menschen
dient, heißt
wirklich das Privileg haben, zu regieren, die Erschöpfung zu
besiegen, die
Müdigkeit, die Depression, die Angst. Wir wenden uns um und
reichen die Hand
einem anderen, der noch mehr leidet als wir. Es ist ein
großes Geschenk, die
Armen bei uns zu haben. Und wenn ich „arm“ sage,
denke ich an deinen Vater,
deinen Ehemann, deine Frau, deinen Bruder, damit wir immer
über unsere Grenzen
hinausgehen und die Last unserer Müdigkeit
überwinden. Das ist konkrete
Lebenserfahrung, daß derjenige das Leben findet, der es
verliert.“
(Aus dem
Buch: Schwester Elvira)
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